SIERRA LEONE

Hintergrund 

Als Street Child 2008 seine Arbeit in Sierra Leone aufnahm, war das Land das ärmste der Welt. Auch heute noch sehen sich Kinder dort mit erheblichen Hindernissen beim Lernen konfrontiert. Viele Kinder schliessen die Primarschule nie ab und verlassen sie ohne grundlegende Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse. Armut ist das grösste Hindernis für den Zugang zu Bildung und begünstigt Kinderarbeit und Frühehen, oft in Verbindung mit sozialen Barrieren, Teenagerschwangerschaften und der Einstellung der Eltern zur Bildung. Nur 61 % der Primarlehrer in Sierra Leone sind ausgebildet, wobei ländliche Gebiete stark auf unqualifizierte oder ehrenamtliche Lehrkräfte angewiesen sind.

Wenn Kinder in ländlichen Gebieten die Primarschule abschliessen können, gibt es oft keine weiterführenden Schulen in der Nähe ihrer Gemeinde. Sie stehen vor der Wahl, lange Wege zu Fuss zurückzulegen, in die nächstgelegene Stadt zu ziehen und ihre Familien zu verlassen oder die Schule ganz abzubrechen.  

Ohne Intervention laufen die Kinder Gefahr, in einem Kreislauf aus Analphabetismus und Armut gefangen zu bleiben. Street Child setzt sich dafür ein, diese Hindernisse zu beseitigen und die Gemeinden zu befähigen, der Bildung Priorität einzuräumen.

DEIN BEITRAG IN SIERRA LEONE

288,967

Kinder, die durch unsere Programme erreicht werden.

45,656

Erreichte Erwachsene: 42'911, von denen 42'911 Fördermittel für Familienunternehmen erhielten.

1,607

In 535 Schulen wurden Klassenzimmer durch Renovierungs- oder Bauarbeiten unterstützt.

WAS WIR TUN

In Sierra Leone arbeitet Street Child vorwiegend mit einem hervorragenden nationalen NGO-Partner, Street Child of Sierra Leone (SCoSL), zusammen, und gemeinsam haben wir landesweit für mehr als 269'000 Kinder den Zugang zu einer hochwertigen Grundbildung verbessert. Street Child ist in jeder Provinz des Landes vertreten.

Bildung von Kindern

Das Programm «Education For Every Child Today» (EFECT) ist das bislang grösste Programm von Street Child. Es handelt sich um ein vierjähriges Projekt in Zusammenarbeit mit «Educate A Child» (EAC), einem globalen Programm der Stiftung «Education Above All» (EAA), das vom Qatar Fund for Development unterstützt wird und darauf abzielt, den Zugang zur Grundschulbildung sowie den Verbleib in der Schule für 40'500 schutzbedürftige Kinder in ganz Sierra Leone zu verbessern. Dies wird zum Gesamtziel des länderübergreifenden Projekts beitragen, 96'000 Kinder, die keine Schule besuchen, in Nigeria, Liberia und Sierra Leone wieder in den Vollzeitunterricht zu integrieren. Um sicherzustellen, dass die Wirkungen des Programms langfristig sind, wird die Initiative neben der Einschulung und dem Lernen auch die Lehrerausbildung und berufliche Weiterbildung sowie die Stärkung der Lebensgrundlagen von Eltern und Betreuungspersonen unterstützen.

Family Business for Education

Eines der Modelle, die Street Child einsetzt, ist unser preisgekröntes Programm «Family Business for Education», das sich mit individuellen sozialen und finanziellen Hindernissen für den Zugang zu Bildung befasst. Bis heute wurden über 42'000 Familien dabei unterstützt, durch ein massgeschneidertes Paket aus Schulungen, Unternehmenszuschüssen sowie Spar- und Mentoring-Programmen eine nachhaltige Einkommensquelle aufzubauen. Dieses Modell der finanziellen Stärkung hat in Verbindung mit intensiver sozialer Unterstützung und Engagement auf Gemeindeebene dazu geführt, dass mehr als 67'000 Kinder eingeschult und in der Schule gehalten werden konnten, die sonst kaum eine Chance gehabt hätten, eine Grundschulbildung abzuschliessen.

Kredite für Bildung

«Loans for Learning» baut auf unserem Programm «Family Business for Education» auf. Wir stellten fest, dass fast keine Familien Kredite aufnahmen, obwohl sie nach Abschluss des FBE-Programms von Street Child in der Lage waren, Kredite zur Weiterentwicklung ihrer Unternehmen zu nutzen. Die einkommensschwächsten Familien in Sierra Leone haben nur sehr begrenzten Zugang zum bestehenden Mikrokreditmarkt. Nicht nur ist der Markt unterentwickelt, sondern auch die Kreditbedingungen – wie die Notwendigkeit von Bürgen oder Sicherheiten – hindern Familien oft daran, die Voraussetzungen zu erfüllen. Zudem halten hohe Zinssätze und die Angst vor harter Inkassopraktiken viele davon ab, Kredite aufzunehmen. Street Child wurde klar, dass es eine kritische Marktlücke gab, die wir schliessen konnten.

Je weiter die Kinder in der Sekundarstufe vorankommen, desto höher werden die Kosten, und die Familien hatten Mühe, ihre Unternehmen so schnell auszubauen, dass sie diese Kosten decken konnten.

Wir unterstützen die Familien, indem wir ihnen Zugang zu Kleinkrediten für Unternehmen verschaffen und einen niedrigeren Zinssatz anbieten (etwa 5 % unter dem aktuellen Marktdurchschnitt).

Teaching at the right level

Mit der «Teaching at the Right Level»-Methode (TaRL) werden Kinder in Gruppen unterrichtet, die sich nach ihren Fähigkeiten und nicht nach ihrem Alter oder ihrer Schulklasse richten, um sicherzustellen, dass ihren spezifischen Lernbedürfnissen Rechnung getragen wird. Im Rahmen unserer TaRL-Programme werden die Lehrpersonen zudem in dieser speziellen Methode geschult. Oft setzen sie den TaRL-Unterricht auch danach fort und geben die Methode an neue Lehrpersonen weiter, um sicherzustellen, dass die qualitativ hochwertige Bildung auch lange nach Abschluss eines Street-Child-Programms fortgesetzt wird.

Bildung im ländlichen Raum

Im Rahmen unseres kontinuierlichen Engagements für den Primarschulbereich in Sierra Leone haben wir damit begonnen, Einrichtungen für die Unterstufe der Sekundarschule in ländlichen Gebieten aufzubauen. Oft müssen Kinder lange Wege zu Fuss zurücklegen, von ihren Familien wegziehen, um in einer grösseren Stadt zur Schule zu gehen, oder die Schule ganz abbrechen, wenn sie in die Unterstufe der Sekundarschule wechseln.

Durch den Bau dieser Junior Secondary Schools in ländlichen Gebieten können wir sicherstellen, dass mehr Kinder, die in ländlichen Gegenden die Primarschule abschliessen, weiterhin sicher in der Schule bleiben und lernen können, während sie ihre Ausbildung fortsetzen.